Bewertungen

Urteile, Bewertungen sind eine Art und Weise zu denken und zu sprechen die Komplexität unserer Welt vereinfacht. Wenn zwei Personen zueinander sagen “ja, sie ist unfähig.”, dann fühlen sie sich kurzfristig in ihrem Urteil verbunden. Doch es ist eine oberflächliche Verbindung. Eine Bewertung die besagt “etwas ist so”, ist ein statischer Ausdruck für eine Realität, die in einem permanenten Wandel ist. Eine Bewertung, dass etwas “schlecht ist”, gilt vielleicht für mich, weil mir etwas gerade nicht dienlich ist, doch sie gilt eventuell nicht für jemanden anderen, für den dieses etwas womöglich “gut ist”. Hier entsteht sofort Potenzial für Konflikte.

Wir leben in einer materialistischen Leistungsgesellschaft, die durch Bewertungen die Wirklichkeit in hohem Maße vereinfacht. So begreifen wir uns in (nationalen, ethnischen, lokalen) Gruppen, die gegeneinander konkurrieren, durch künstlich erschaffene simple Narrative funktionieren und dabei Wertungen sowie Vorurteile übereinander anstellen. Ein schreckliches Beispiel sind dazu alle vergangenen und aktuellen Kriege, in denen eine betroffene Menschengruppen durch negative Bewertungen entmenschlicht wurden. Eine weitaus anerkanntere Praxis des Glaubens an die eigene Einzigartigkeit sind Fußballmatches und die Olympischen Spiele, in denen die eine Gruppe gegen die andere antritt und Millionen von Menschen in der Hoffnung auf den Sieg und die Überlegenheit ihrer Gruppe gegen den Rest in einen regelrechten Rausch verfallen.

Bewertungen sind immer subjektive Vorurteile, die der komplexen Realität Gewalt antun. Wir haben manchmal bei Konflikten mit anderen Menschen schon eine Bewertung im Kopf, eine Annahme, dass das Gegenüber irgendwo “schlecht” sei oder, dass es eine gemeine Absicht verfolge. Wir neigen dazu Bewertungen als Abwehr überall da einzusetzen, wo unsere Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Das bedeutet, dass wir Energie darin investieren, um zu sagen, was an dem anderen nicht stimmt, anstatt zu versuchen zu verstehen, warum jemand etwas tut.

Bewertungen sind ein Mechanismus der Abwehr und sie führen immer zu Gewalt, da sie die Vielfalt eines Menschen und sein Potenzial zur Entfaltung bestreiten. Eine Bewertung wird manchmal eingesetzt um den Anspruch des Gegenübers auf die Erfüllung seiner Bedürfnisse zu negieren. Eine negative Bewertung schafft zwischen Menschen einen tiefen, für beide Seiten traurigen Graben ohne Verbindung. Es ist eine statische Sprache.

Wenn wir in einer Welt leben wollen, in der man durch Abwehr, Abwertung und Urteile andere ausgrenzt, um seine Bedürfnisse durchzusetzen, dann müssen wir nach Macht streben. Wenn wir in einer Welt leben wollen, in der wir mit anderen und uns selbst verbunden sind, haben wir zu akzeptieren, dass wir über die Motive anderer und deren Leben gar nichts wissen und dabei einfach neugierig sein.

In der Gewaltfreien Kommunikation lernen wir uns kraftvoll und authentisch ohne Bewertungen, Urteile und Forderungen auszudrücken. Wir kultivieren dabei eine Haltung der Neugier, die uns der Realität und dem Erleben des Gegenübers näherbringt. So müssen wir nicht mit Vorurteil und Bewertungen reagieren, stattdessen reagieren wir mit Fragen: Wer bist du? Und was brauchst du?

Dies bedeutet auch, dass wir loslassen, was wir wollen, das der andere tut und wie er zu sein hat.

GFK KURSTERMINE IN BERLIN:

GFK Einführungskurs 2 Tage: 21.-22. Mai 2022

2-day English NVC-course: pre-registration June 2022

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