Kontrolle

Wir lernen vom Kleinkind auf mit unserem Verhalten Einfluss auf unser Umfeld zu nehmen und zu kommunizieren, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Uns ist bewusst, dass wir alleine nicht überleben können, was zu Angst führt. Wir brauchen die Zugewandtheit anderer, deren Wertschätzung, Schutz und Fürsorge. Wir brauchen Zugehörigkeit und Verbindung.

Jede unserer Handlungen ist darauf ausgerichtet ein Bedürfnis zu erfüllen, auch, wenn uns das zunächst gar nicht bewusst ist. Fast alles, was wir sagen hat ebenfalls als Ziel Einfluss auf unser Gegenüber auszuüben.

Mit der Zeit lernen wir, durch Konformität mit den Werten, Anforderungen, Erwartungen der Gesellschaft und unserer Nächsten Wertschätzung, also auch Fürsorge und Schutz zu bekommen. Wir lernen, dass wir für ein bestimmtes Verhalten belohnt oder bestraft werden.

In Beziehungen ist es notwendig, dass unser Partner Rücksicht auf unsere Bedürfnisse nimmt, damit wir uns wohl und sicher fühlen. Dabei übernehmen wir leicht das Denken von Belohnung und Strafe, richtig und falsch. Wertschätzung und Nähe, die in der Partnerschaft essenziell sind, werden dann schnell zu einem Mittel, um Druck auf den Partner auszuüben und sie ihm bei „falschem“ Verhalten zu entziehen.  Wir gehen dabei „aus dem Kontakt“, wenn der Partner nicht unsere Bedürfnisse erfüllt. Destruktiv ist dabei auch das Äußern von Vorwürfen, Forderungen, Bewertungen und sonstiges Strafen. Belohnungen für „richtiges“ Verhalten sind ebenso destruktiv, da sie ebenfalls dazu führen, dass ein Mensch in der Hoffnung auf Belohnung (Erfüllung eines Bedürfnisses) andere Bedürfnisse untergräbt und sich nicht mehr traut sich so zu zeigen, wie er wirklich ist.

Strategien von Strafe und Belohnung geben uns den Eindruck, dass wir Einfluss und eine gewisse Kontrolle über das Verhalten der Mitmenschen/Partner haben, um die Erfüllung unserer Bedürfnisse sicherzustellen, uns zu schützen. Doch wir zerstören dabei die eigentliche Verbindung zum Gegenüber, weil wir durch Zwang, Strafe und Belohnung den anderen von der Verfolgung seiner Bedürfnisse, die jedoch essenziell sind, abbringen.

Wir können über Beziehungen nur Kontrolle durch Macht haben und diese Macht trennt uns und macht wahre Nähe unmöglich, da diese an Bedingungen geknüpft ist. Wir können tatsächlich keine Kontrolle über die Bedürfnisse anderer haben, sondern nur in Kontakt miteinander nach erfüllbaren Strategien suchen. Wenn wir in Verbindung sein wollen, ist es wesentlich, dass wir ihre Bedürfnisse akzeptieren.

Die unreife Liebe: „Ich liebe dich, weil ich dich brauche.“
Die reife Liebe: „Ich liebe dich, weil du du bist.“
aus Erich Fromm, Die Kunst des Liebens

Ich bin ich. Du bist du. Ich bin verantwortlich für mein Leben und du bist für deines verantwortlich. Ich bin nicht dazu da, um deine Erwartungen zu erfüllen, noch bist du dazu da, um meine zu erfüllen. Wenn sich unsere Wege kreuzen, ist das wunderschön, aber wenn nicht, werden wir uns getrennt voneinander fortbewegen müssen. Weil ich mich selbst nicht liebe, wenn ich mich selbst verrate, nur um dich glücklich zu machen. Ich liebe auch dich nicht, wenn ich will, dass du bist, wie ich das möchte, anstatt dich so zu akzeptieren, wie du bist. Du bist du und ich bin ich.

Fritz Perls, Begründer der Gestalttherapie

GFK KURSTERMINE IN BERLIN:

GFK Einführungskurs 2 Tage: 21.-22. Mai 2022

2-day English NVC-course: pre-registration June 2022

GFK / NVC deepening practice day

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